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FAQ

Unter NS-Raubgut  – genauer NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut - versteht man das Kulturgut, das von Bürgern und Institutionen, die in der Zeit 1933 bis 1945 aus rassischen, politischen, religiösen oder weltanschaulichen Gründen verfolgt wurden, entzogen worden ist. Die Opfer des NS-Raubs waren vor allem die jüdische Bevölkerung innerhalb des Deutschen Reichs als auch in allen von der Deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs besetzten Gebieten. Ihr Vermögen wurde durch diskriminierende Gesetze und Verordnungen abgepresst, mit Gewalt geraubt oder musste unter dem Druck der Verfolgung verkauft werden.
Bei dem NS-Beutegut handelt es sich um kriegsbedingt verlagertes Kulturgut und umfasst jene völkerrechtswidrig aus einem eroberten Gebiet nach Deutschland gebrachten Kulturgüter, die während des Zweiten Weltkrieges widerrechtlich entzogen wurden. Recht­lich maß­geb­lich ist un­ter an­de­rem Art. 56 der Haa­ger Land­kriegs­ord­nung von 1907.

Für die Recherchen ist diese begriffliche Trennung unerheblich, jedoch verbinden sich mit beiden Begriffen unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen bei der Rückgabe von Kulturgütern. Kulturgüter sind nicht nur auf wertvolle Kunstobjekte in Museen beschränkt, sie beinhalten auch die Bestände von Bibliotheken und Archiven. Für die ursprünglichen Eigentümer und die Erben stellen diese Objekte einen wichtigen ideellen Wert dar. Uns können diese Objekte an die NS-Opfer oder an unsere eigenen Familiengeschichten erinnern.

In manchen Bibliotheken gibt es Lieferlisten von der Gestapo oder Einträge in den Erwerbungsbüchern, die auf Vorbesitzer oder Lieferanten hinweisen. Unzählige Bücher kamen auch als "Geschenke" des NS-Regimes in die Bibliotheken. Ein Großteil stammte aus jüdischem Besitz, der auf der Flucht ins Ausland zurückgelassen werden musste. Oft weisen nur die erhaltenen Spuren in den Büchern in Form von Stempeln, Autogrammen, Widmungen, Exlibris und Etiketten den Weg zu den ursprünglichen Eigentümern.

Während der nationalsozialistischen Diktatur von 1933 bis 1945 haben Bibliotheken auf verschiedene Weise von den Raubzügen des NS-Regimes profiziert. Sie waren Nutznießer großer Bestände der unrechtmäßig beschlagnahmten und geraubten Bücher der aus rassischen und politischen Gründen verfolgten Personen und Institutionen. Sie erhielten Bücher und ganze Bibliotheken, die während des Krieges aus den eroberten Ländern Mittel-, West-, Ost- und Südosteuropas als Beutegut nach Deutschland verschleppt wurden.

An den Raubzügen waren zahlreiche nationalsozialistische Organisationen beteiligt, wie z. B. der Einsatzstab Reichsleiter Alfred Rosenberg (ERR), das Sonderkommando Eberhard von Künsberg im Auswärtigen Amt unter Außenminister Joachim von Ribbentrop und der Sicherheitsdienst (SD) unter der Leitung von Reinhard Heydrich. Die Verteilung an die Bibliotheken wurde aber vor allem durch die sog. "Reichstauschstelle" organisiert, die im NS-Staat das wissenschaftliche Bibliothekswesen kontrollierte. Bis Kriegsende hatte die Reichstauschstelle über eine Million Bände in zahlreichen Hauptdepots in ganz Deutschland gehortet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte NS-Raub- und Beutegut auch über antiquarische Käufe und Schenkungen in Bibliotheken. Aus diesem Grund findet sich NS-Raubgut und Beutegut auch in Bibliotheken, die erst nach 1945 gegründet wurden. In vielen Fällen gibt es keine Dokumentation über den Eingang der Bücher in die Bibliotheken.

Wir haben uns dazu entschlossen, alle gefundenen Hinweise auf einen Vorbesitzer*innen in die Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets (LCA) aufzunehmen. Daher finden Sie sowohl Objekte, die als NS-Raub- und Beutegut klassifiziert sind als auch Objekte, deren Herkunft unbekannt oder nach heutigem Wissenstand kein NS-Raub- und Beutegut ist.
Wir veröffentlichen die wichtigsten Ergebnisse unserer Recherchen und möchten damit Provenienzforscher*innen und der breiten Öffentlichkeit die Nutzung dieser Informationen ermöglichen.

Mit der "Washingtoner Erklärung" vom 3. Dezember 1998 („Washington Principles on Nazi-Confiscated Art“) erklärten sich 44 Staaten bereit, darunter die Bundesrepublik Deutschland, die Identifizierung, Veröffentlichung sowie Rückgabe von NS-Raubgut aktiv zu betreiben. Wenn die Voreigentümer oder Ihre Erben ausfindig gemacht werden können, "sollten rasch die nötigen Schritte unternommen werden, um eine gerechte und faire Lösung zu finden". Die "Gemeinsame Erklärung" von 1999 präzisierte diese Punkte für die deutschen öffentlichen Einrichtungen. Mit der "Handreichung" und dem "Leitfaden Provenienzforschung" liegen Kriterien zur Prüfung des Einzelfalls vor. Damit wurde eine Basis für Rückgaben geschaffen, deren Gültigkeit allgemein anerkannt wird. Die Washingtoner Erklärung ist jedoch eine die Unterzeichnerstaaten rechtlich nicht bindende Übereinkunft und gilt als eine moralische Selbstverpflichtung.

Die Kooperationspartner betreiben in diesem Sinne NS-Raubgutforschung, um verfolgungsbedingt entzogene Bücher zu suchen und an die rechtmäßigen Eigentümer oder deren Erben zurückzugeben.

Wir veröffentlichen in unserer Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets (LCA) so viele Rechercheergebnisse wie möglich. Nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz stellen wir jedoch nur die personenbezogenen Daten online zur Verfügung, die explizit für eine Veröffentlichung bestimmt sind, um einen rechtlich gesicherten, ethisch vertretbaren und sensiblen Umgang mit diesen Daten zu gewährleisten. Im Hinblick auf die schutzwürdigen Belange der heute noch lebenden Opfer des NS-Regimes oder deren Angehöriger bitten wir um Verständnis, wenn nicht alle Daten zugänglich gemacht bzw. veröffentlicht werden können.

In der Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets (LCA) können Sie nach Familiennamen, Organisationen oder nach Buchtiteln suchen.

Nutzen Sie für die Suche nach dem gewünschten Namen den zentralen Suchschlitz oder gehen Sie in der Navigationsleiste auf Suche und wählen Sie direkt die gewünschte Kategorie aus, wie z. B. "Personen/Organisationen". Dort finden Sie auch den jeweiligen Standort des Buches.

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Dann nutzen Sie unser Kontaktformular, um uns eine Nachricht zukommen zu lassen. Für weitere Auskünfte stehen Ihnen auch unsere Kooperationspartner direkt unter ihren Kontaktdaten gern zur Verfügung.

Wir überprüfen im Zuge unserer Arbeit viele Bücher mit handschriftlichen Eintragungen. Viele davon sind schwer leserlich und werden zunächst zurückgestellt. Wir laden Sie ein, die historischen Handschriften zu entziffern und die Provenienzforschungsprojekte unserer Kooperation zu erkunden. Vielleicht haben Sie aber auch nützliche Hinweise zum Schicksal einzelner Personen oder Institutionen, deren Bücher in unserer Provenienzdatenbank Looted Cultural Assets (LCA) vermerkt sind. Auch hierfür wären wir Ihnen dankbar.

Bei Interesse an einem Hilfsangebot schreiben Sie bitte eine Email an die zuständigen Kooperationspartner.

Die Kooperation ist eine Initiative von öffentlichen Einrichtungen für öffentliche Einrichtungen. Ziel ist die gemeinsame Bearbeitung und Dokumentation von Provenienzen sowie das Zugänglichmachen von Informationen für Interessierte. Kooperationspartner kann grundsätzlich jede öffentliche Einrichtung werden, die Provenienzforschung betreibt und bereit ist, Informationen nicht nur mit anderen Einrichtungen, sondern auch mit der Öffentlichkeit zu teilen. Der derzeitige Arbeitsschwerpunkt der teilnehmenden Einrichtungen liegt auf der NS-Raubgut- und Beutegutforschung. Ein Muster des Kooperationsvertrages können Sie hier herunterladen.

Bei Interesse an einer Partnerschaft schreiben Sie bitte an: kooperation@lootedculturalassets.de.

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